Wenn nach einem Gewitter plötzlich das Licht ausgeht, ist die Ursache nicht immer ein „normal“ Netzausfall: Überspannung, ausgelöste Schutzschalter oder beschädigte Bauteile in Hausinstallation und Anschlussbereich können dahinterstecken. Wer jetzt strukturiert prüft, kann harmlose Auslöser schnell erkennen – und gleichzeitig vermeiden, dass aus einer kleinen Störung ein Sicherheitsrisiko wird.
Gewitter bringen gleich mehrere Stressfaktoren für die Elektrik mit: kurzzeitige Spannungsspitzen (auch ohne direkten Blitzeinschlag), Feuchtigkeit in Außenbereichen, Windschäden an Leitungen sowie Schaltvorgänge im Netz. Das Ergebnis reicht von einer ausgelösten Sicherung bis zu Defekten an Überspannungsschutz, FI/RCD, Netzteil oder empfindlicher Elektronik. Wichtig ist: Alles, was nach „Schmorgeruch“, Wasser oder sichtbaren Schäden aussieht, ist kein DIY-Fall. In solchen Situationen ist ein Elektriker vor Ort bzw. ein Elektro-Notdienst die richtige Anlaufstelle.
Symptome & Ursachen: Was deutet worauf hin?
- Komplettausfall im ganzen Haus: Häufig Netzstörung im Versorgungsgebiet, ausgelöster SLS/HA-Schutzschalter im Zählerschrank oder Problem am Hausanschlussbereich (Hausanschlusskasten ist Sache des Netzbetreibers).
- Nur einzelne Räume ohne Strom: Meist ein Leitungsschutzschalter (Sicherung/LS) für den betroffenen Stromkreis hat ausgelöst; möglich sind Feuchtigkeit in Außensteckdosen, defekte Geräte oder ein Isolationsfehler.
- FI/RCD-Schalter lässt sich nicht wieder einschalten: Typisch bei Feuchtigkeit (Garten, Keller, Außenbeleuchtung) oder einem defekten Gerät mit Fehlerstrom; auch beschädigte Leitungen nach Wassereintritt möglich.
- Sicherung fliegt sofort wieder raus: Kurzschluss oder schwerer Defekt in einem angeschlossenen Verbraucher (z. B. Kühlschrank, Spülmaschine, Netzteil), seltener Leitungsbeschädigung.
- Strom ist da, aber Internet/Router/Smart-Home tot: Überspannungsschaden am Netzteil, am Router oder am Überspannungsschutz der Steckdosenleiste; auch beschädigte Telefon-/Koax-/Netzwerkkomponenten möglich.
- Flackerndes Licht oder brummende Geräte: Hinweis auf Spannungsprobleme, lose Klemmen, beschädigte Verbindung im Verteiler oder (selten) Außenleitungs-/Neutralleiter-Themen – hier nicht weiter experimentieren.
- Brandgeruch, warme Steckdosen, knisternde Geräusche: Mögliche Überhitzung/Schmorstelle, lockere Kontakte oder defektes Bauteil im Zählerschrank/Verteiler – sofort abschalten und Profi rufen.
- Nur Außenbereiche betroffen (Gartensteckdosen, Außenlicht): Feuchtigkeit, gealterte Dichtungen, beschädigte Erdkabel oder überflutete Abzweigdosen sind typische Auslöser.
Schritt-für-Schritt-Checkliste zur Fehlersuche (und wann Sie stoppen sollten)
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Prüfen Sie, ob es ein Netzproblem ist.
Schauen Sie nach, ob Nachbarn betroffen sind oder ob öffentliche Meldungen/Apps Ihres Netzbetreibers eine Störung anzeigen. Stoppen und anrufen, wenn im Straßenzug mehrere Häuser betroffen sind: Dann ist meist der Netzbetreiber zuständig – nicht Ihre Hausinstallation. -
Sichtprüfung: Gibt es offensichtliche Gefahrenzeichen?
Achten Sie auf Schmorgeruch, Rauch, Geräusche (Knistern), Wasser im Keller oder nasse Steckdosen/Verteiler. Sofort stoppen, Hauptschalter aus (wenn gefahrlos möglich) und Elektro-Notdienst rufen. Keine Abdeckungen öffnen. -
Schauen Sie in den Sicherungskasten/Zählerschrank: Was hat ausgelöst?
Prüfen Sie, ob FI/RCD oder einzelne Leitungsschutzschalter „unten“ sind. Schalten Sie betroffene Schalter einmal vollständig aus und dann wieder ein. Stoppen, wenn Schalter nicht einrastet oder sofort wieder auslöst – das ist ein Hinweis auf Fehlerstrom/Kurzschluss. -
Trennen Sie verdächtige Geräte vom Netz.
Ziehen Sie Stecker von Geräten in den betroffenen Bereichen (auch Mehrfachsteckdosen). Danach versuchen Sie erneut, FI/LS einzuschalten. Stoppen und Profi rufen, wenn der Schutzschalter trotz abgezogener Geräte auslöst: Dann kann ein Leitungsfehler oder Feuchtigkeit in der Installation vorliegen. -
Isolieren Sie den betroffenen Stromkreis.
Wenn nur ein bestimmter Stromkreis Probleme macht, lassen Sie alle anderen Sicherungen eingeschaltet und arbeiten Sie sich systematisch vor. Stoppen, sobald Sie keine eindeutige Ursache finden oder wenn das Problem wiederkehrt – wiederholtes „Resetten“ ohne Ursache kann Schäden verschlimmern. -
Prüfen Sie sensible Technik separat.
Router, NAS, Fernseher, Wärmepumpen-/Heizungssteuerungen und Ladegeräte reagieren empfindlich auf Spannungsspitzen. Testen Sie diese Geräte nur an einer sicher funktionierenden Steckdose. Stoppen, wenn Netzteile heiß werden, brummen oder Geruch entsteht – Defektgefahr. -
Dokumentieren Sie den Ablauf für Versicherung und Fachbetrieb.
Notieren Sie Zeitpunkt, betroffene Räume/Stromkreise, ausgelöste Schutzschalter und verdächtige Geräte. Machen Sie Fotos vom Sicherungskasten (ohne Abdeckungen zu entfernen). Profi beauftragen, wenn Überspannungsschäden vermutet werden: Eine Messung/Prüfung der Elektroinstallation und ggf. des Überspannungsschutzes ist dann sinnvoll.
Entscheidungsbaum: Welche nächsten Schritte passen zu Ihrem Fall?
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Ist der Strom im ganzen Haus weg?
- Ja: Prüfen, ob Nachbarn auch betroffen sind → bei flächigem Ausfall Netzbetreiber informieren.
- Nein: Weiter mit „Nur einzelne Bereiche betroffen?“
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Nur einzelne Räume/Steckdosen ohne Strom?
- Ja: Betroffenen LS-Schalter prüfen → Geräte abstecken → erneut einschalten. Wenn er wieder auslöst: Elektriker für Fehlerstrom-/Leitungsprüfung.
- Nein: Weiter mit „FI/RCD ausgelöst?“
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FI/RCD ist ausgelöst oder lässt sich nicht einschalten?
- Ja: Feuchte Bereiche (Außen, Keller, Garage) als Erstes verdächtigen → alles dort stromlos lassen → Fachbetrieb beauftragen, wenn keine klare Gerätursache vorliegt.
- Nein: Weiter mit „Geräteausfall ohne Sicherungsproblem?“
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Einzelne Geräte sind kaputt, Sicherungen halten aber?
- Ja: Überspannungsschaden wahrscheinlich → Netzteile/Elektronik prüfen lassen, Belege/Fotos sammeln, Versicherung kontaktieren; Überspannungsschutz im Zählerschrank prüfen lassen.
- Nein: Wenn Symptome unklar (Flackern, Brummen, wiederkehrende Ausfälle): Elektriker zur Messung (Spannung, Schleifenimpedanz, Isolationsmessung) beauftragen.
Sicherheitshinweise: Bitte unbedingt beachten
- Do: Schalten Sie bei Gefahrzeichen den Strom am Hauptschalter aus (nur wenn gefahrlos erreichbar) und halten Sie Abstand zu nassen Bereichen.
- Do: Nutzen Sie eine Taschenlampe statt Kerzen, um Brandrisiken zu vermeiden.
- Do: Lassen Sie bei wiederholtem Auslösen von FI/LS die Ursache fachgerecht prüfen – das schützt Menschen und Gebäude.
- Don’t: Öffnen Sie keine Abdeckungen am Zählerschrank, Hausanschlusskasten oder Verteiler. Dort können lebensgefährliche Spannungen anliegen.
- Don’t: Überbrücken Sie niemals Sicherungen oder FI-Schalter und „fixieren“ Sie keine ausgelösten Schalter.
- Don’t: Verwenden Sie nasse Geräte/Verlängerungen oder schalten Sie Außenstromkreise wieder ein, wenn Feuchtigkeit vermutet wird.
- Don’t: Wiederholen Sie das Einschalten im Minutentakt: Wenn ein Schutzorgan auslöst, hat das einen Grund.
Wenn Sie nach einem Unwetter unsicher sind, ob ein Überspannungsschaden vorliegt oder ob der Fehler aus der Elektroinstallation kommt, lohnt sich eine professionelle Prüfung. Ein Fachbetrieb kann nicht nur den betroffenen Stromkreis messen, sondern auch den Zustand von Überspannungsschutz, FI/RCD, Leitungsschutz und den Klemmen im Verteiler bewerten. Das schafft Klarheit, reduziert Folgeschäden und hilft Ihnen, gegenüber Versicherung oder Gerätehersteller sauber zu dokumentieren.